The Scorpion King: Film-Kritik

 

Mit Skepsis begab ich mich zur Pressevorführung von The Scorpion King. Zu sehr hatte mich The Mummy Returns zumindest beim ersten Sehen enttäuscht. Daher setzte ich mich gemischten Gefühlen in den Kinosessel - und erlebte eine Riesenüberraschung. Von der ersten Sekunde an fesselte mich dieser Film. Nicht weil er so spannend und unvorhersehbar ist. Nicht weil er historisch tiefgründig wirkt. Nein, einfach weil er so wunderbar den Ton des einst von Stephen Sommers mit The Mummy neu definierten Popcorn-Kinos traf. Da ist es wieder, dieses Zwinkern in den Augen bestimmter Charaktere (oder sind es die Schauspieler selbst?), das sagen will: Nichts ist hier ernst gemeint; dafür ist alles möglich.

Nichts weniger als alles scheint hier tatsächlich möglich. Das ist vielleicht das Manko des Filmes. Ich will hier bewußt nichts vom Inhalt verraten. Aber selbst unbedarften Zuschauern wird klar, daß The Scorpion King trotz seines Titels eben nicht in die Frühzeit Ägyptens zurückführt, sondern eine fiktive Historie entwirft. Da reist schon einmal ein Gesandter auf einem Elefanten nach Gomorrah... Dieses Vermischen verschiedenster Epochen jagt jedem Historiker oder Archäologen kalte Schauer über den Rücken. Gute Absichten sind dabei leider nicht zu spüren.

Fakt statt Fiktion:

Skorpion-Gef

Dieses Gefäß aus Kalkstein weist einen aus dem Stein herausgearbeiteten Skorpion auf. Gefunden wurde es im sog. Hauptdepot im Tempelareal von Hierakonpolis. Diese Fundumstände lassen darauf schließen, daß es sich um eine Gabe von König Skorpion II. an den zu seinen Zeiten sehr bedeutenden Tempel handelt.

Abb.: Quibell/Green, Hierakonpolis II, London 1902, Pl. XVII

Ein weiteres Problem betrifft die Größe. The Scorpion King will große Schlachten und großes Gemetzel zeigen. Man bekommt jedoch nur das Gemetzel. Aufgrund der angestrebten Altersfreigabe fließt freilich nur wenig Blut. Dennoch sind mir der Toten zu viele, auch wenn es sich um meist anonyme Böse oder als Bösewichte charakterisierte Figuren handelt. Darüberhinaus hatte ich beeindruckende Bilder erwartet, aber nur wenige bekommen. Hierin kommt diese Produktion an die Vorgänger The Mummy und The Mummy Returns nicht heran. Das macht allerdings nichts, ist doch schon die Stadt-Anlage von Gomorrah für die Zeit 3000 v.Chr. überdimensioniert. Die gezeigten Dörfer fallen insofern wohltuend klein aus, obwohl alles andere als bescheiden.

Was nun The Rock betrifft (- und ich denke und hoffe, daß jeder Leser auf diese ultimative Äußerung gewartet hat!), so gelten auch für ihn meine Ausführungen vom Anfang. Ich war skeptisch ins Kino gegangen und sehr angetan herausgekommen. Anfänglich stand zu befürchten, hier würde The Rock einmal mehr als tumbe Kampfmaschine erscheinen. Doch das Drehbuch gibt ihm rechtzeitig Gelegenheit zu ein paar trockenen Sprüchen und unerwartet (?) komischen Aktionen. Die machen den harten Kerl mit dem netten Lächeln schnell sympathisch.

Der im Vorfeld oft herbeibemühte Vergleich mit Arnold Schwarzenegger wirkt in Zusammenhang mit The Rocks erster Hauptrolle fast kontraproduktiv. The Rock kann kaum mit dem amerikanisierten Österreicher verglichen werden. Zugegeben (wenn es denn etwas zuzugegeben gäbe...): The Rock ist kein großer Schauspieler. Aber er wirkt zugänglicher als "Arnie", weniger "hölzern". Es gelingt ihm die ihm in der World Wrestling Federation anhaftende "Coolness" zu überwinden. Daß er damit trotz aller (noch) bestehenden Schwächen seine Kollegen vom Film überzeugen konnte, beweist das gelungene Zusammenspiel der beteiligten Hauptdarsteller. So ist unter dem Strich nicht weniger, wenngleich auch nicht mehr herausgekommen als unterhaltsames Hollywood-Kino.

Mir hat's gefallen!

 

PS: Vielen Dank an Frau Cardoni und Frau Schmitt von UIP für die Unterstützung incl. Einladung zur Pressevorführung und an Herrn Kindermann von Motion Media, der mich freundlicherweise mit weiteren Materialien zum Film ausgestattet hat!

 

© Christine Fößmeier, 18. April 2002