2003 im Rückspiegel, 2004 voraus...

 

Eigentlich bleibt ein schaler Geschmack. 2003 war und ist für den Fan von Ägyptenfilmen nicht gerade ein großes Jahr. Selbst in meinem eigentlich guten Gedächtnis ist kein Film haften geblieben, der sonderlich viel mit dem Alten Ägypten zu tun gehabt hätte. Dabei gab es doch eine ganze Reihe erstaunlicher Filme - erstaunlich in vielerlei Hinsicht. Insofern endet 2003 für mich wie für viele andere auch so, wie es begonnen hat: mit Der Herr der Ringe. Und der Herr der Ringe hat nun einmal, wie auf diesen Seiten nachzulesen, eher wenig mit Ägypten zu tun. Doch er ist symptomatisch für die künftige Filmgeschichte des Jahres 2003. Es war geprägt von Fortsetzungen, von Terminator 3 (der schlechteste Film des Jahres, wenn man mich fragt) und Matrix 2 (unbegreiflich) und Matrix 3 (unsäglich) und dem Abschluß der Herr der Ringe-Trilogie (endlich). Alle publikumsträchtigen Filme (was ja gute wie schlechte Filme beinhaltet) waren geprägt von Special Effects, die nur Wirklichkeit vorgaukeln, und selbst Nemo taucht schließlich nicht durch wirkliches Wasser... Die Devise hieß: groß oder besser noch größer und das bitteschön mit Computereinsatz. Gegen Computereinsatz und Special Effects spricht im Prinzip nichts. Bestes Beispiel auf meiner persönlichen Hitliste: Der Fluch der Karibik mit einer ganzen Schiffsladung gammeliger Piraten. Nur verheißt ein solcher Trend einiges für die Zukunft und zwar nicht nur Gutes.

Piratenkapitšn Barbossa in 'Der Fluch der Karibik' (2003)

Piratenkapitän Barbossa in Der Fluch der Karibik (2003)

Der Ägyptenfilm macht 2004 wohl einer neuen Art von Historienfilm Platz: Alexander der Große wird die Welt erobern und das nicht unbedingt an den historischen Stätten. Der Kampf um Troja wird entbrennen, doch die Kulissen werden allenfalls einen Teil einer nie geschehenen Realität sein. Oder sollten die merkwürdig ägyptisierenden Kolossalfiguren tatsächlich Troja beschwören wollen? Mit Kulisse allein holt man keinen Teenager (DAS Zielpublikum von Kinofilmen schlechthin!) mehr vom Computer weg! Und das Fazit wird schlimmstenfalls lauten: viel Lärm um nichts. Historienfilme wollten eigentlich noch nie historische Wahrheit darstellen, sondern allenfalls diese interpretieren. Nun geht jedoch der Trend zum Benutzen von Geschichte als Anstoß für eine eigene Geschichte, die um der schönen Bilder und insbesondere um der aufregend gestalteten Szenen erzählt wird. Dank der Techniken, die uns endlich vollends in die Vergangenheit zurückversetzen könnten, kann man auf die eigentliche Erzählung fast völlig verzichten.

Ob das Infotainment hier bessere Akzente setzen kann und wird, bleibt zu bezweifeln. Zwar wird pünktlich zu Weihnachten wieder nach Ägypten entführt, und natürlich werden Mumien besucht, aber die Wissenschaftlichkeit von Dokumentationen bleibt immer noch und immer wieder fraglich. Schön anzusehen sind solche TV-Sendungen natürlich. Auch hier kommen mehr und mehr Computer zum Einsatz und entführen in die weit zurückliegende Vergangenheit. Hier immerhin hebt sich die ein oder andere Ausstrahlung von anderen ab (ein Hoch auf Herrn Bulthaupt...): Manchmal werden Rekonstruktionen nicht als die einzig selig machende Wahrheit hingestellt sondern als das, was sie - leider! - sind: eine Möglichkeit unter anderen Möglichkeiten. Mehr solch offene Worte wären wünschenswert. Es ist ja Weihnachten. Da darf man sich auch etwas wünschen!

22. Dezember 2003
Christine Fößmeier


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